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Integrative Medizin, ein Verbündeter in der Kinderheilkunde

In der Schweiz wird der Einsatz von komplementären Therapien im Bereich der Kinderheilkunde immer beliebter. Dieser integrative Ansatz kann, sofern er auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und medizinischen Erfahrungen beruht, ein Gewinn für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen sein.

Hypnose, Akupunktur, Osteopathie, Achtsamkeitsmeditation, Homöopathie... Die komplementärmedizinischen Ansätze sind zahlreich und stossen bei Eltern auf immer grösseres Interesse. Gemäss der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 2017 nehmen 38% der Bevölkerung ab 15 Jahren in der Westschweiz mindestens einmal pro Jahr eine komplementärmedizinische Behandlung in Anspruch, eine Zahl, die seit 2002 stetig steigt.

Dieses starke Interesse an der Komplementärmedizin findet sich auch bei den Ärzten. Es gibt eine zunehmende Anzahl von Kinderärzten und Hausärzten, die integrative Kinderheilkunde praktizieren, sowie eine Zunahme wissenschaftlicher Publikationen auf diesem Gebiet. Im Jahr 2017 wurde eine eigene Interessengruppe (Swiss Interest Group for Integrative Pediatrics) gegründet, während die integrative Kinderheilkunde das Hauptthema des nächsten Kongresses der Schweizerischen Gesellschaft für Kinderheilkunde sein wird.

Lassen Sie uns ein Phänomen in fünf Fragen und Antworten entschlüsseln.

Was ist integrative Kinderheilkunde?

Basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und medizinischer Erfahrung nutzt die integrative Kinderheilkunde konventionelle und komplementäre Therapien in einem interprofessionellen Ansatz. Das Ziel? Ergänzung des konventionellen Therapiespektrums und Kombination verschiedener Methoden zur Erweiterung des Behandlungsspektrums unter Berücksichtigung des aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisstandes. Es geht darum, die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen vorzubeugen, zu erhalten oder wiederherzustellen und Selbstheilungsprozesse anzuregen. Schliesslich ist es vor allem ein globaler und patientenzentrierter Ansatz, der darauf abzielt, individuell auf die Bedürfnisse der jungen Menschen und ihrer Eltern einzugehen.

Welcher Komplementärmedizin kann man vertrauen?

Von der sehr großen Zahl der Komplementärmedizin sind vier offiziell in der Ausbildung von Ärzten anerkannt. Sie sind daher unter den Kinderärzten in der Schweiz am weitesten verbreitet. Dies sind die Homöopathie, die anthroposophische Medizin, die traditionelle chinesische Medizin (einschliesslich Akupunktur) und die Pflanzenheilkunde. Das bedeutet, dass Ärzte durch eine postgraduale Fortbildung ein Fortbildungszertifikat erhalten können. Dies ist eine Garantie für Sicherheit und Kompetenz für den Patienten. Behandlungen, die in diesem Zusammenhang erbracht werden, können von der Grundversicherung erstattet werden.

Wie kann ich einen guten Therapeuten finden?

Viele Kinderärzte und Hausärzte bieten einen integrativen Ansatz an und haben eine vom Schweizerischen Institut für medizinische Fortbildung (ISFM) akkreditierte Ausbildung in Komplementärmedizin absolviert, was eine breite und kompetente Behandlung garantiert. Um einen Arzt zu finden, verwenden Sie die Suchmaschine auf der WFH-Website: www.doctorfmh.ch

Schwieriger ist es, Therapeuten zu finden, die keine Ärzte sind. Die Osteopathie zum Beispiel ist sehr gut geregelt, die Ausbildung wird seit 2014 von einer Gesundheitsuniversität durchgeführt. Für bestimmte Therapieformen gibt es auch Ausbildungen, die zu einem eidgenössischen Diplom führen. Wenn dies nicht der Fall ist, ist es besser, sich mehr auf Mundpropaganda als auf den Inhalt einer Website zu verlassen und keinem Therapeuten zu vertrauen, der die Schulmedizin ablehnt. Es ist auch wichtig zu bedenken, dass die meisten komplementären Therapien in den meisten Schweizer Kantonen keine Lizenz zur Ausübung benötigen. Die betroffenen Therapeuten gelten daher nicht als Angehörige der Heilberufe und unterliegen nicht den Kontrollen des öffentlichen Gesundheitswesens, auch wenn sie möglicherweise von einer Zusatzversicherung erstattet werden.

Sollte ich mit meinem Kinderarzt sprechen?

Viele Patienten nutzen Komplementärmedizin, aber nur ein Drittel von ihnen informiert ihren Arzt. Es ist jedoch wichtig, dass der Arzt weiß, ob der Patient Vitamine, Kräuter oder andere Behandlungen verwendet, um mögliche Risiken von Wechselwirkungen zu vermeiden oder die am besten geeignete Behandlung für das Gesundheitsproblem zu wählen.

Hat die integrative Medizin einen Platz im Krankenhaus?

Ja, das ist zunehmend der Fall. Die Kinderklinik am Klinikum Freiburg ist ein Vorreiter auf diesem Gebiet. Bereits 2015 wurden komplementäre Therapien in einem integrativen Ansatz für Atemwegserkrankungen angeboten. Heute werden anthroposophische Arzneimittel, Wickel, Musiktherapie und Heileurythmie verabreicht. Am Universitätsspital Waadt (CHUV) wurden den Patienten laut einer Umfrage aus dem Jahr 2016 nicht weniger als fünfzehn komplementärmedizinische Behandlungen angeboten, darunter Hypnose, Reflexologie, Tai Chi und Akupunktur. Die Universitätsspitäler Genf (HUG) lassen sich nicht lumpen und bieten Hypnose für Kinder an. Was die Achtsamkeitsmeditation betrifft, so ist sie Gegenstand der Forschung.


Um mehr zu erfahren:

"Mayo Clinic Leitfaden für Integrative Medizin" von Brent A. Bauer und Pierre-Yves Rodondi, Übersetzung von Virginie Barral, Hrsg. Planète Santé, 2020

Dieser Leitfaden der Mayo Clinic (ein weltbekannter, gemeinnütziger Forschungsverbund von Universitätskliniken) behandelt Entspannungstechniken, die Vorteile von Hypnose, Meditation oder Spiritualität, die richtige Verwendung von Pflanzen und Nahrungsergänzungsmitteln, die Wirkung von Osteopathie, Akupunktur, Massagetherapie usw. Für jede dieser Therapien werden auch die häufigsten Pathologien besprochen, die von der integrativen Medizin behandelt werden und für die sowohl positive als auch negative Ergebnisse wissenschaftlich nachgewiesen wurden.

Adaptiert von: Huber BM, Rodondi P.-Y., Wildhaber J. Integrative Pädiatrie ist ein fester Bestandteil der pädiatrischen Versorgung in der Schweiz. Schweizerische Medizinische Zeitschrift 2020; 16: 2289-92.

Quelle: planète santé

Bild: ©iStock/vernonwiley