News

Yoga als Waffe gegen Depression?

Yoga wird mittlerweile als alternative Behandlungsmethode anerkannt und kann dabei helfen, bestimmte Symptome einer Depression zu bekämpfen. Tauchen Sie ein in die Welt der Atmung und der Stellungen.

Hatha-Yoga, Ashtanga-Yoga, Power-Yoga, aber auch Yoga für den Rücken, für den Geist oder rund um die Geburt … Oftmals fern der altüberlieferten Disziplinen, die in Indien nach bestimmten Ritualen praktiziert wurden und lange Zeit den Männern vorbehalten waren, entfaltet sich Yoga heute in all seinen Formen. Diese Metamorphose ermöglicht es ihm, in einige Rehabilitationsprogramme aufgenommen zu werden, mit Aussicht auf eine Rückerstattung durch die Krankenversicherung. Seit Kurzem verfügt die «Yogatherapie» sogar über Kodifizierungen, die von einigen Zusatzversicherungen berücksichtigt werden.

Wird Yoga jetzt also vom Arzt verschrieben? «Bei chronischen Rückenschmerzen ist das inzwischen der Fall. Das ist ein echter Paradigmenwechsel», erklärt Prof. Pierre-Yves Rodondi, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin am Institut für Hausarztmedizin der Universität Freiburg. Körperliche Aktivität, Meditation oder auch Yoga stehen nämlich seit Kurzem ganz oben auf der Liste der Empfehlungen, noch vor den Schmerzmitteln. Aber wie sieht es im Falle einer Depression aus? «Hier sind die Indikationen weniger deutlich, insbesondere aus Mangel an gross angelegten Studien. Es steht jedoch fest, dass seine positiven Wirkungen auf die Schmerzlinderung sowie seine Wirkung auf bestimmte Hormone Yoga zu einem nicht unbedeutenden Verbündeten machen», fährt der Spezialist fort. Die Senkung der «Stresshormonspiegel» (Adrenalin und Cortisol) und die Erhöhung des «Wohlfühlhormonspiegels» (Oxytocin) spiele eine Rolle. «Die hormonelle Komponente steht im Mittelpunkt des Prozesses, da sie zum Ausgleich bestimmter Körperfunktionen beiträgt, wodurch sie den Körper und somit den Geist beruhigt», sagt Valentina Salonna, Yogatherapeutin und Doktorandin am Institut für Geisteswissenschaften in der Medizin (IHM) der Universität Lausanne.

Eine tiefgreifende Veränderung?

«Yoga kann bei Depression Abhilfe schaffen, insbesondere im Falle einer leichten Depression, wenn es darum geht, einen Weg zu finden, um neue Energie zu tanken», verrät Dr. Vincent Liaudat, Psychiater und Psychotherapeut in Lausanne. «Im Falle einer schweren Depression sind eine Psychotherapie und eine medikamentöse Behandlung oft unerlässlich, aber Yoga kann zusätzlich helfen.»

Woran liegt das? «Die Aufmerksamkeit, die dem Atem geschenkt wird, die Koordination zwischen Bewegungen und Atmung sowie das wiederholte Zusammenziehen und Dehnen der Muskeln sind alles Faktoren, die eine unmittelbare positive Wirkung haben. Davon zeugt das Gefühl des Wohlbefindens am Ende einer Yogastunde», betont der Psychiater. «Auf lange Sicht können sie aber auch zu einer tiefgreifenden, sowohl körperlichen als auch seelischen Veränderung beitragen.»

Entspannung und Introspektion?

Was der Seele besonders guttut: «Durch die Neuausrichtung, die es bewirkt, ermöglicht Yoga eine Entspannung, die in unserem hektischen Leben sonst oft nicht möglich ist», führt Dr. Liaudat aus. «Indem es die innere Unruhe reduziert, ebnet es den Weg für mehr Spontanität, Lebhaftigkeit und letztendlich mehr Freude.» Und der Experte fügt hinzu: «Die Achtsamkeitsmeditation hat dieselbe Wirkung, aber für jemanden, der unter einer Depression leidet, kann der mit dem Yoga verbundene körperliche Einsatz die Introspektion erleichtern.»

Die Ashtanga- und Vinyasa-Yoga-Lehrerin Anna Fatyga begrüsst diese positive Wirkung: «Die Mobilisierung des Körpers in Verbindung mit bewusstem Atmen hilft dabei, sich im Hier und Jetzt zu verankern und die automatischen Gedanken auszuschalten, die oft mit einer Depression einhergehen.» Im Laufe der Zeit und durch die verschiedenen Übungen eröffnet sich zudem ein subtilerer Weg, der es ermöglicht, die Erfahrung auf das Leben im weiteren Sinne zu übertragen. «Yoga konfrontiert uns mit neuen, manchmal schwierigen Situationen – alles Gelegenheiten, unsere Potenziale zu entdecken, aber auch unsere aktuellen Grenzen zu erkennen, um diese eventuell zu überwinden», merkt Valentina Salonna an. «Übung verschafft Abstand, Gewandtheit und Selbstvertrauen. All das erweist sich als unendlich wertvoll, wenn uns das Leben ebenfalls unbekannten und unangenehmen Situationen aussetzt.»

Ist Yoga wirklich etwas für mich?

Mangel an Gelenkigkeit, Übergewicht, Angst sich lächerlich zu machen, sich zu langweilen oder davor, was die anderen denken: es gibt vieles, das uns davon abhalten kann, Yoga zu machen. «Dabei ist Yoga, wie es heute praktiziert wird, dank seiner Vielfalt für alle geeignet», freut sich die Ashtanga- und Vinyasa-Yoga-Lehrerin Anna Fatyga. «Umso überraschender ist, dass Übung einem oft das verschafft, was man benötigt: sie beruhigt nervöse Menschen, stärkt die Konzentration derer, denen es schwerfällt, sich zu fokussieren und sorgt auch bei den nachlässigsten für die nötige Genauigkeit.» Empfehlungen der Expertin für Anfänger/innen:

  • Bevorzugen Sie Hatha-Yoga oder Vinyasa-Yoga: Ersteres wegen seines relativ langsamen Rhythmus, Letzteres aufgrund seiner Flexibilität. 

  • Wählen Sie einen wohlwollenden Lehrer und ein für die Selbstfindung geeignetes Umfeld, fern jeglicher Verurteilung.

  • Ein-, zwei-, dreimal pro Woche? Wichtig ist, regelmässig zu üben, damit der Körper in einen Ruhezustand versetzt wird.


Quelle: https://www.planetesante.ch/Magazine/Psycho-et-cerveau/Depression/Le-yoga-une-arme-contre-la-depression 

Bild: ©GettyImages/Ol'ga Efimova/EyeEm

Autoren:

  • Laetitia Grimaldi

Experten:

  • Dr. Pierre-Yves Rodondi
  • Dr. Vincent Liaudat
  • Valentina Salonna
  • Anna Fatyga